Vernissage Christine Mühlberger 2019
- 13. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Feb.
Graziosa Giger
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreunde,
ich begrüsse sie herzlich zur Eröffnung der Vernissage von Christine Mühlberger. Zum vierten Mal ist sie hier in Leuk - und wieder präsentiert sie Kunst von grosser Qualität. Ein wahres Ereignis !
Paysages - passages - silence.
Christine Mühlberger arbeitet in Symbiose mit der Natur, auf ihren Fussreisen durch die ganze Welt sammelt sie ihre Eindrücke - doch ihre Wanderungen sind mehr als Erholung an der frischen Luft. Es sind vielmehr existentielle Erfahrungen. Dabei gelingt es ihr immer wieder, ihre Passagen in Kunst zu verwandeln: mit herrlichen Pigmenten. Mit Blau und Grüntönen. Mit Farben des Himmels, des Wassers. Und der Erde.
Die Farben sind meist dezent eingesetzt, entfalten jedoch eine grosse Wirkung. Sie können aber auch intensiv sein wie beim Quellsee UNA in Bosnien- im hinteren Raum.
Christine Mühlberger vermag es, die Materie in Emotion zu verwandeln:
Paysages - passages - silence.
Die Landschaften werden erlebt, erinnert und transformiert. Die Natur hat eine grosse Kraft auf uns, und sie spricht durch diese Werke in ganz eigenwilligen Tönen.
Die Energie, auch der menschlichen Natur, kommt zum Tragen durch die intensive Bearbeitung des Papiers: mehrere Schichten Japanpapier, übereinandergeklebt, oder das dünne Zeitungspapier weisen auf die Flüchtigkeit der Passage. Der Wanderer geht einfach hindurch und hinterlässt kaum Spuren. Seine Orientierung sind Karten. Die Welt ist vermessen - und doch immer wieder unbekannt. Die künstlerische Arbeit ist ebenfalls eine Art Kartographierung: eine Weltaneignung der passage, die dazu einlädt, sich zu verlieren.
Die Fragilität des Papiers ist dabei beabsichtigt. Die Fetzen Papier, die übereinadergeklebt werden. Hier wird eine Art Archäologie betrieben- und eine Position in der Zeit offenbart. Die Vergänglichkeit, auch des eigenen Wegs, wird einem vor Augen geführt.
Christine Mühlberger geht sozusagen zum Ursprung zurück und macht alles gründlich: ein langer Prozess des Betrachtens der Landschaft geht dem Malen voraus.
Die Künstlerin hat auch einmal auf archäologischen Fundstellen gearbeitet- der Kontakt mit der Muttererde ist bewahrt geblieben.
Sehr energetisch wirken die Schwarz/Weiss Bilder.
Auf der Serie Schwarz/Weiss Bilder, die auf festem Papier gemacht sind, findet eine Vergrösserung statt: man könnte hier Effekte auf dem Wasser sehen, die Oberfläche, die je nach Licht schwarz wirkt, aber auch Steine im Wasser.
Ich muss immer an Altamira denken und die Höhlenmalereien- denn hier sehen wir etwas ganz Elementares, Archaisches fast....
Die Stein-Zeichnung hier am Boden ist eine Verbindung zum anderen Raum, eine Art Weg ohne Anfang und Ende...
Im hinteren Bereich befindet sich die Installation Tausend Hunderttausend Steine.
32 Teile sind zu einem Wandteppich zusammengestellt.
Es ist ebenfalls eine serielle Arbeit, welche die Wiederholung aufnimmt und variiert: 1000 Steine - 1000 Wege.
Christine Mühlberger hat fast alle Kontinente zu Fuss erforscht und gehört somit zu einer Künstlergeneration, die die Installation mit einer Performance verbindet- ein Kraftakt in diesem Fall, der immer wieder erstaunt und sehr eigenwillig und bewundernswert ist.
Gerade heute, wo die umweltgerechte Fortbewegung notwendig wird und die Zukunft des Planeten unsicher scheint, ist diese künstlerische Position von unschätzbarem Wert. Die Aktualiät jedoch ist nicht vorrangig: diese Kunst bleibt ein Gefäss für Zeit- ein Speicher- und am Schluss herrscht Stille.....